Proteste gegen Thüringer Immobilienkongress auf Erfurter Messe

Unter dem Motto „Den Ausverkauf der Städte stoppen!“ demonstrierten heute Menschen aus mehreren Thüringer Städten gegen den Thüringer Immobilienkongress, der auf der Erfurter Messe stattfand. „Wir wollen es nicht unwidersprochen lassen, wenn eine profitorientierte Immobilienwirtschaft Städte wie Märkte unter sich aufteilt. Wir möchten in einer vielfältigen und bunten Stadt leben, die von möglichst vielen Menschen selbst gestaltet werden kann“, so eine Sprecherin des Bündnisses „Erfurt für Alle!“ über die Motivation der Protestierenden. Statt den roten Teppich für Investoren auszurollen, solle die Politik das Recht auf Wohnraum durchsetzen. Auf Sprechblasen waren Slogans wie „Keine Profite mit meiner Miete“ und „guter Wohnraum für alle“ zu lesen. Damit forderten die Demonstrierenden eine sozialverträgliche und keine profitorientierte Wohnungspolitik, damit guter Wohnraum für alle Menschen bezahlbar ist und bleibt.

Denn den Preis für den von den Kongressveranstaltern behaupteten „Boom-Taumel“ zahlen die Mieterinnen und Mieter. Aus ihrer Sicht hat sich die Wohnsituation in Thüringen dramatisch verschlechtert: So sind die Mieten in Erfurt von 2007 bis 2015 im Schnitt um 26% gestiegen, gerade bei Neuvermietungen liegen die Preise noch höher. In Jena liegen die Kaltmieten mit knapp 8 Euro/m2 über dem bundesdeutschen Durchschnittswert (7,30 Euro/qm) und weit über dem für Thüringen (5,50 Euro/qm). Viele Menschen können sich die Mieten kaum noch leisten, haben Angst vor Verdrängung und einem unfreiwilligen Umzug. Neu Zuziehende haben Probleme, überhaupt eine Bleibe zu finden. In Erfurt, Jena und Weimar mangelt es massiv an bezahlbarem Wohnraum, insbesondere für Alleinerziehende oder Rentner_innen mit kleiner Rente.

Dass die Organisator_innen des Kongresses, die Leipziger Werbe- und Kommunikationsfirma „W&R IMMOCOM“, offensichtlich kein Interesse an einer demokratischen Diskussion über die Zukunft der Städte hat, verdeutlicht nicht nur der Eintrittspreis von 250,- Euro. Auch die einseitige Zusammensetzung der Referierenden, die allesamt aus der Immobilienwirtschaft oder aus Politik und Verwaltung kommen, verdeutlicht, dass es Ziel des Kongresses ist, die Städte so profitabel wie möglich zu vermarkten.

Demgegenüber setzt sich das Bündnis „Erfurt für Alle!“ für eine basisdemokratische Einbeziehung möglichst vieler ein. Dieses Anliegen verdeutlichten die Protestierenden, indem sie im Anschluss mit einem Bauchladen voller Plätzchen durch die Erfurter Innenstadt zogen, die sie zusammen mit Flugblättern an Passantinnen und Passanten verteilten: „Alle sollen ein Plätzchen in der Stadt haben!“.

Berichterstattung:

 

Ein Plätzchen in Erfurt für alle

Auf dem Anger 2

Auf dem Anger

Im Gespräch mit der Messeleitung

Pow

Auf der Messe

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